Zwei Tage in den Universal Studios und ein Tag in Disneys Epcot Center sind drei Tage in einer kommerziellen Kunstwelt, die man erst ertragen können muss.
Um es vorwegzunehmen, diese drei Tage haben uns mit Eintritten, Parkieren und Verpflegung fast 900 Dollar gekostet. Wir haben uns vier T-Shirts, drei verschiedene Rauchkerzen und je ein paar Essstäbchen sowie ein Abendessen bei einem japanischen Teppan-Chefkoch geleistet. Natürlich hat das unser Ferienbudget gesprengt, das wir bis vor diesen drei Tagen diszipliniert eingehalten hatten.
Nun, hat sich diese Investition gelohnt? Wir haben zwei Perspektiven darauf.
Bei Universal beeindruckte mit Abstand die Harry Potter Inszenierung. Ich habe in meinem ganzen Leben nichts Vergleichbares zu sehen bekommen. Es wurde kompromisslos die ganze Fantasie-Welt der Frau Rowlings in voller Lebensgrösse umgesetzt. Ausser Hogwarts selber. Hier wurde der Massstab zu weit verkleinert, dass man von der Ferne bis ganz nah den Eidnruck hatte, vor einem gewaltigen Schloss zu stehen. Zwischen Hogwarts und dem Zauberer- und Hexendorf mit seiner Bank im Zentrum (das Bild mit dem Feuer speienden Drachen stammt von dort) verkehrt der Hogwart-Express, den man an der Kings Cross Station auf dem Geleise 9 3/4
besteigt. Auch dieser Zug mit Bahnhof und Geleiseanlage in einem 1:1 Massstab.
Die Marketing-Genialität der Rowlings - sie beschreibt in ihren sieben Bänden ja jedes Detail aus dem täglichen Leben und zwar nicht nur von Hexenbesen, Zauberstäben, sonderm auch von Butterbier (hier gibt es eine Trade Mark, was es genau ist, konnte ich nicht herausfinden, der Geschmack ist neutral süss mit einer sahnigen weissen, leicht nach Ahornsirup schmeckenden Schaumkrone über einer bräunlichen, schwach Kohlensäure enthaltenden Flüssigkeit, selbstverständlich alkoholfrei, ein 3dl Becher wird zu 4 Dollar verkauft) bis hin zu Chicken Spare Rib Platter im 3-Hexenbesen-Restaurant - wird an diesen zwei Schauplätzen erleb- und nachvollziehbar. Ich habe nicht nachrecherchiert, schätze, dass diese Realisierung der Potte-welt gut und gerne rund eine halbe Milliarde gekostet haben dürfte. Man muss sich einfach vorstellen, da wird ein Städtchen doppelt so gross wie Murten einfach in Plastik und Beton aus dem Boden gestampft. Wir bestaunten an zwei Tagen bei prallem Sonnenschein mit 40° am Schatten, bei Sturm und Regen und bei Dämmerung und Einnachten diese potter-Welt und es waren immer tausende Leute um uns herum. Zweimal versuchten wir auf die Bank-Bahn ( ich vergass leider den Namen der Zwergen-Bank) zu kommen. Beide Male verzichteten wir, weil zuerst sicher etwa 2000 und das zweite Mal noch einige hundert Menschen mehr am Anstehen waren.
Bei Universal begeisterte uns die Inszenierung rund um Transformer und etwas weniger jene um Spiderman. Alles andere fanden wir langweilig oder kaum bemerkenswert. Twister und Disaster sind Reliquien aus einer längst vergessenen Filmepoche. Ebenso ManInBlack oder gar die Blues Brothers, die heute noch täglich auftreten, zu denen aber wohl nur noch eine ältere Generation Zugang hat. Alles in allem ist Universal eine lieblose, unverhohlene Geldmaschine, die darauf angelegt ist, die Massen an jeder Ecke abzuzocken. Ein Wunder, dass das Wasser lassen gratis ist. Wohl auch nur, damit genügend Raum bleibt, um weiter überteuerertes und überzuckeres Eiswasser in sich zu schütten.
Epcot Center ist nicht minder kommerziell angelegt, aber im Vergleich ein entspannendes Erlebnis, bei dem die eine oder andere Botschaft hängen bleiben dürfte. Mir gefällt die spielerische Auseinandersetzung mit Technologie und Wissen in Kombination mit einem globalen, multikulturellen Ansatz. Alles auf Feel Good getrimmt, mit dem Hang von Disney, alles in Watte zu packen und Störfaktoren auszuschliessen. Man darf sich das einmal im Leben sicher antun.
Summa summarum, das Geld ist investiert mit unklarem Wirkungsausgang. Für mich war es das letzte Mal, dass ich mir den ganzen Stress nochmals antun werde, um Zeuge einer Welt der ökologischen Verschwendung zu werden. Alleine die Tatsache, dass 100'000e Autos Millionen Meilen hinter sich bringen um in diese Parks zu kommen, wo die zahllosen kilometer langen (Stau-) Räume auf 21° C herunter gekühlt werden, wo man nach ca. 1 Stunde unterkühlt wieder an die brennende (Klima-)Realität entlassen wird, muss einem vernünftig denkenden Menschen mehr als zu denken geben. An den Freizeitparks Amerikas erkennt man wie diese Gesellschaft irregeleitet, unwürdig kindisch und in ihrem Way of Life gefangen ist. Dank unserer airbnb.com-Erfahrung haben wir erkennen können, dass es auch anders denkende US-Amerikaner gibt. Interessanterweise waren die meisten unserer Gastgeber ökologisch sensibilisierte, eher den Demokraten zugewandte Menschen. Es gibt also auch hier Brückenbauer in die Zukunft. Wir sollten uns einfach etwas besser organsieren über den Atlantik hinweg.
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