Sonntag, 27. Juli 2014

Before takeoff

So neigt sich also der dreiwöchige Vater-Sohn-Trip seinem Ende zu. Doch bevor wir von JFK wegflogen, gönnten wir uns den Besuch bei Apple an der 5th Avenue, schauten uns um und sogen die unvergleichliche Stimmung dieses Flagship AppleStores ein. Technisch war nichts zu entdecken, doch trotzdem tummelten sich heute Nachmittag hunderte von Apple Fans und liessen sich von den dutzenden blau gekleideten Apple-Angestellten beraten. Eine aufgeräumte Stimmung im Untergrund, woher Apple ursprünglich kam. Als ich vor 30 Jahren meinen Apple-Händler-Vertrag unterschrieb, hätte ich von so etwas nie geträumt. Damals kamen uns Apple's Leute noch nach Solothurn besuchen, weil wir wohl den schönsten Apple-Laden im Land hatten. Vergleichbar mit dem was heute weltweit präsentiert, waren wir natürlich meilenweit entfernt. Aber trotzdem.

Nun in einer halben Stunde ist boarding, morgen gegen 10 Uhr werden wir in Zürich landen. Dann ist Zeit, zum Schluss dieser Reise zu kommen und Fazite zu ziehen.

Freitag, 25. Juli 2014

Harry Dollar, Epcot Center und die Welt

Zwei Tage in den Universal Studios und ein Tag in Disneys Epcot Center sind drei Tage in einer kommerziellen Kunstwelt, die man erst ertragen können muss.

Um es vorwegzunehmen, diese drei Tage haben uns mit Eintritten, Parkieren und Verpflegung fast 900 Dollar gekostet. Wir haben uns vier T-Shirts, drei verschiedene Rauchkerzen und je ein paar Essstäbchen sowie ein Abendessen bei einem japanischen Teppan-Chefkoch geleistet. Natürlich hat das unser Ferienbudget gesprengt, das wir bis vor diesen drei Tagen diszipliniert eingehalten hatten.

Nun, hat sich diese Investition gelohnt? Wir haben zwei Perspektiven darauf.
Bei Universal beeindruckte mit Abstand die Harry Potter Inszenierung. Ich habe in meinem ganzen Leben nichts Vergleichbares zu sehen bekommen. Es wurde kompromisslos die ganze Fantasie-Welt der Frau Rowlings in voller Lebensgrösse umgesetzt. Ausser Hogwarts selber. Hier wurde der Massstab zu weit verkleinert, dass man von der Ferne bis ganz nah den Eidnruck hatte, vor einem gewaltigen Schloss zu stehen. Zwischen Hogwarts und dem Zauberer- und Hexendorf mit seiner Bank im Zentrum (das Bild mit dem Feuer speienden Drachen stammt von dort) verkehrt der Hogwart-Express, den man an der Kings Cross Station auf dem Geleise 9 3/4
besteigt. Auch dieser Zug mit Bahnhof und Geleiseanlage in einem 1:1 Massstab.

Die Marketing-Genialität der Rowlings - sie beschreibt in ihren sieben Bänden ja jedes Detail aus dem täglichen Leben und zwar nicht nur von Hexenbesen, Zauberstäben, sonderm auch von Butterbier (hier gibt es eine Trade Mark, was es genau ist, konnte ich nicht herausfinden, der Geschmack ist neutral süss mit einer sahnigen weissen, leicht nach Ahornsirup schmeckenden Schaumkrone über einer bräunlichen, schwach Kohlensäure enthaltenden Flüssigkeit, selbstverständlich alkoholfrei, ein 3dl Becher wird zu 4 Dollar verkauft) bis hin zu Chicken Spare Rib Platter im 3-Hexenbesen-Restaurant - wird an diesen zwei Schauplätzen erleb- und nachvollziehbar. Ich habe nicht nachrecherchiert, schätze, dass diese Realisierung der Potte-welt gut und gerne rund eine halbe Milliarde gekostet haben dürfte. Man muss sich einfach vorstellen, da wird ein Städtchen doppelt so gross wie Murten einfach in Plastik und Beton aus dem Boden gestampft. Wir bestaunten an zwei Tagen bei prallem Sonnenschein mit 40° am Schatten, bei Sturm und Regen und bei Dämmerung und Einnachten diese potter-Welt und es waren immer tausende Leute um uns herum. Zweimal versuchten wir auf die Bank-Bahn ( ich vergass leider den Namen der Zwergen-Bank) zu kommen. Beide Male verzichteten wir, weil zuerst sicher etwa 2000 und das zweite Mal noch einige hundert Menschen mehr am Anstehen waren.

Bei Universal begeisterte uns die Inszenierung rund um Transformer und etwas weniger jene um Spiderman. Alles andere fanden wir langweilig oder kaum bemerkenswert. Twister und Disaster sind Reliquien aus einer längst vergessenen Filmepoche. Ebenso ManInBlack oder gar die Blues Brothers, die heute noch täglich auftreten, zu denen aber wohl nur noch eine ältere Generation Zugang hat. Alles in allem ist Universal eine lieblose, unverhohlene Geldmaschine, die darauf angelegt ist, die Massen an jeder Ecke abzuzocken. Ein Wunder, dass das Wasser lassen gratis ist. Wohl auch nur, damit genügend Raum bleibt, um weiter überteuerertes und überzuckeres Eiswasser in sich zu schütten.

Epcot Center ist nicht minder kommerziell angelegt, aber im Vergleich ein entspannendes Erlebnis, bei dem die eine oder andere Botschaft hängen bleiben dürfte. Mir gefällt die spielerische Auseinandersetzung mit Technologie und Wissen in Kombination mit einem globalen, multikulturellen Ansatz. Alles auf Feel Good getrimmt, mit dem Hang von Disney, alles in Watte zu packen und Störfaktoren auszuschliessen. Man darf sich das einmal im Leben sicher antun.

Summa summarum, das Geld ist investiert mit unklarem Wirkungsausgang. Für mich war es das letzte Mal, dass ich mir den ganzen Stress nochmals antun werde, um Zeuge einer Welt der ökologischen Verschwendung zu werden. Alleine die Tatsache, dass 100'000e Autos Millionen Meilen hinter sich bringen um in diese Parks zu kommen, wo die zahllosen kilometer langen (Stau-) Räume auf 21° C herunter gekühlt werden, wo man nach ca. 1 Stunde unterkühlt wieder an die brennende (Klima-)Realität entlassen wird, muss einem vernünftig denkenden Menschen mehr als zu denken geben. An den Freizeitparks Amerikas erkennt man wie diese Gesellschaft irregeleitet, unwürdig kindisch und in ihrem Way of Life gefangen ist. Dank unserer airbnb.com-Erfahrung haben wir erkennen können, dass es auch anders denkende US-Amerikaner gibt. Interessanterweise waren die meisten unserer Gastgeber ökologisch sensibilisierte, eher den Demokraten zugewandte Menschen. Es gibt also auch hier Brückenbauer in die Zukunft. Wir sollten uns einfach etwas besser organsieren über den Atlantik hinweg.

Dienstag, 22. Juli 2014

Wet'n Wild

Das haben wir in Orlando nun sprichwörtlich erlebt: Nass und stürmisch. Nachdem wir den wohl teuersten Badieintritt unseres Lebens bezahlt (56$ pro Person!) und uns nach endlosen Warteschlangen durch Plastikröhren bugsieren liessen, brach über uns der Himmel und es schüttete mindest eine Stunde lang sintflutartigen Regen auf die zahllosen flüchtenden Badigäste. Das war wild und ein Schauspiel der Sondergüte. Kaum fielen die ersten Tropfen und zuckten die ersten Blitze, jagten ein Heer von Safeguards die Menge aus dem Wellenbecken, die sich schreiend in Sicherheit brachte. Von da weg wurde jeder Blitz mit Kreischen von tausenden von vornehmlich weiblichen Stimmen begleitet. Es gab unzählige Blitze mit tosender Donnerbegleitung. Tatsächlich das heftigste Sommergewitter seid wir nun in Florida sind, das binner Kürze rundherum alles unter Wasser setzte. Eine Spezialvorführung mit hysterischen Touristen. Sie war die 100$ wert. Schliesslich sind wir hier im grössten Unterhaltungssektor der USA. Da muss die Show schon stimmen. Dank Natur und Publikum. Den Rest kann man streichen.

Montag, 21. Juli 2014

If you go to Rome do what romains do...



Unsere zauberhafte Gastgeberin Sheryl weiss narürlich alles was man in Zentral Florida rund um den Monroe Lake tun kann. Speziell am Samstag oder Sonntag geht man paddeln. Mit Kanus oder Kayak.

Sonntag, 20. Juli 2014

Traumberuf: Raketeningenieur

Eines Tages kam mein Sohn und sagte, er wolle Raketeningenieur werden. "Das sei schon möglich", erwiderte ich, "du musst nur eine gute Maturanote hinbekommen, dann kannst du an die ETH. Dort lehren und forschen sie an diesem Thema." Der Traum wurde dann bedrängt vom Wunsch Architekt zu werden. Doch sein Interesse an der Raumfahrt ist ungebrochen und führte letztlich dazu, dass wir Florida zum Reiseziel erklärten und damit an eines der Weltzentren der Weltraumfahrt gelangen konnten. Hier schliesst sich eine Art Kreis, prägte doch Cape Canaveral und Präsident John F. Kennedy, der an meinem 8. Geburtstag erschossen wurde, meine Kindheit. Für mich war der Besuch des Kennedy Space Centers eine Art Wiedergeburt und ich erinnerte mich an meine Fähigkeit zu staunen. Ganz habe ich es noch nicht verlernt.

Samstag, 19. Juli 2014

Old Time Music

Hier kommt meine Hymne auf airbnb.com. Ich wüsste nicht, wie anders man sich eine Gastgeberfamilie aussuchen könnte, die einem derartig Einblick gewährt in die floridanische Gesellschaft wie uns dies hier bei Sheryl und Greg zu Teil wurde.
Neben einem veganen Tacos-Buffet wurde uns ein Abend lang live Old Time Music präsentiert. Nicht dass ich für diese Musik eine besondere Leidenschaft hätte, aber die Gelegenheit war doch sehr günstig, sich ein Bild über die Menschen zu machen.




Wo die Massen der US-Amerikaner

...ihre Ferien machen: Daytona Beach. Ist die etwas bescheidenere Ausführung von Ft. Lauderdale. Nach den eher vom Tourismus verschohnten Key-Days taten wir uns die Massentourismus-Destination an und wurden in Bezug auf die Fleischmassen nicht enttäuscht. Der Durchschnittsamerikaner ist in seiner Leibesfülle der übrigen Welt um eine ganze Generation, wenn nicht sogar um > 3, voraus. Ich verzichte hier auf entsprechende Darstellungen und beschränke mich um je ein Bild Richtung Süden und Norden aus der Vogelperspektive.

All that crab

Wer sich mit den USA einlässt, kommt zumindest einmal pro Fall nicht darum herum, gewisse Erfahrungen zu machen. Zum Beispiel einen Lobster zu verspeisen derweil das Bedienungspersonal zur Showeinlage verdonnert ist.

Freitag, 18. Juli 2014

News Cafe

Vor knapp 25 Jahren besuchte ich das erste Mal die USA und landete in diesem besonderen Cafe, das einen Lavazza formvollendet serviert. Damals konnte man hier Zeitungen und Magazine aus aller Welt konsumieren. Es war einer der ersten Hotspots des neu erwachenen Miami Beach. Heute ist es ein Free WiFi hotspot. Gedruckt ist nur noch die Speisekarte. Doch das Personal ist immer noch originell und motiviert. Ein schöner Ort um mehrmals pro Tag einzukehren. Schon beim zweiten Mal wird man wieder erkannt. Man könnte in dieser Kneippe sein zuhause einrichten. Nicht eine allzu typische tägliche amerikanische Erfahrung.

Lusthäuser

Man kann sich wiklich kaum sattsehen an diesen Bauten. Ohne grosse Probleme kann man Stunden durch die Strassen von Miami Beach schlendern und entdeckt immer wieder eine neue Sehenswürdigkeit.

Lebensfreudiges Miami Beach

Leider sind wir ja bloss noch Zaungäste einer sinnlichen Epoche, deren Zeugen wiederbelebt am Ocean Drive und Cornell Street stehen. Art Deco war eine zauberhafte Epoche zwischen den Weltkriegen. Damals zeichneten die Architekten keine CAD-Pläne, sondern malten ihre fantasievollen Häuser wie Gemälde auf Papier. In dieser Zeit entstanden der Film "Metropolis" von Fritz Lang als apotiktische Prophezeihung, aber auch das Empire State Building in Manhatten. Hier in Miami Beach entstanden diese zahlreichen Hotels, weniger spektakulär als die Hotelpaläste in der damaligen touristisch erfolgreichen Schweiz. Seit Miami sein Erbe vor gut 25 Jahren wieder entdeckte und zu renovieren begann, boomt die Halbinsel in einem Ausmass, das Bedenken auslösen kann. Mit grosser Fantasie lassen sich zwar die heutigen Architekten zu gigantischen Bauwerken hinreissen, aber man erkennt ihre Referenzen klar. Vielleicht wäre das für die Schweiz auch ein Weg sich touristisch wieder attraktiv zu machen, indem sie an Traditionen angeknüpft und mit modernen Materialien und Formverständnis neue Gebäude errichten, statt trostlose Betonschalen in die Geranien-Landschaften stellen liesse.

Hausboot in den Keys

20 Meilen vor Key West haben wir uns für zwei Tage Abgeschiedenheit auf einem Hausboot in einer Bucht der Ramrod Keys entschlossen. Für Landratten und Binnenländer schon eine Herausforderung. Besonders in der Nacht, wenn uns die Fische verhöhnten indem sie sinnfreudig aus dem Wasser sprangen und nach weiss der Kuckuck was schnappten. Sicher waren es nicht Moskitos, denn die hatten sich für uns entschieden. Es gab wirklich viele Fische in dieser Bucht, auch wenn wir sie tagsüber nicht zu sehen bekamen. Trotzdem vertrieben wir uns die Langweile mit Fischen. Ein gutes Ritual für Vater und Sohn. Wir vereinbarten nur zu essen, was wir fingen. Zur Sicherheit besorgten wie uns vor der Verabschiedung vom Land Groundmeat und Muller's Spaghettis sowie ein paar Tomaten. Man konnte ja nie wissen. Also ich gebe es ja zu, ich habe in meinem ganzen Leben nur einen einzigen Fisch gefangen. Nicht aus der Aare, an der ich aufgewachsen bin, sondern auf einer Hochseefischfahrt im Stillen Ozean. Dort gelang es mir tatsächlich einen gut 70 Zentimeter langen Gelbflossenthunfisch zu überwältigen. Der Kampf dauerte damals gut und gerne 15, 20 Minuten. Hier in den Keys muss ich nicht kämpfen, es biss kein einziger Kaltblütler an. Wie gesagt, die waren offensichtlich nur nächtens aktiv und da konnten wir nicht fischen, weil es dunkel war wie in einer Kuh. Als Trost wurde uns ein Sternenhimmel präsentiert, der sich tausenfach im spiegelglatten Meer widerspiegelte. Ein himmlisches Erlebnis, das jeden Moskitostich als Banalität erscheinen liess.

Das war Key West

Zum Abschluss konnten wir es nicht lassen, den südlichsten Punkt der USA und die geringste Entfernung zu Kuba zu besuchen. Der Ort scheint ein magischer Anziehungspunkt zu sein. Die Leute standen bei brütender Hitze Schlange, um ein Selfie von der Landboje zu bekommen. Wir haben das abgekürzt und sind von dannen gezogen.

Ernest Hemingway 2

Es waren nicht eigentlich Hemingways Texte, die mich für ihn schwärmen liessen, sondern seine Geschichten, die verfilmt wurden. Es sei hier an "Wem die Stunde schlägt" oder "Der alte Mann und das Meer" mit Spencer Tracy erinnert. Hochdramatische Filme, die den Jungen Bruno für das Kino zeitlebens fesselten. Hier begegnete ich meiner eigenen Vergangenheit, eine ferne Zeit, die ich mit heute kaum noch in Verbindung bringe. Trotzdem eine gute Gelegenheit, meinem Jüngsten über meine Kindheit und Jugendjahre zu erzählen. Über Prägungen eben.

Motiv Ernest Hemmingway 1

Es ist nun wirklich keine Schande zuzugeben, dass mein wichtigstes Motiv die lange Reise nach Key West anzutreten die Wirkungsstätte von Ernest Hemmingway war. Darum folgen nun einige Bilder von seinem Haus, das er in den Jahren 1930-37 bewohnte, bevor er sich als Kriegsberichterstatter nach Spanien entsenden liess.

Segelboot ohne Turn

Exklusive Aufenthaltsmöglichkeiten gibt es uf Key West unzählige. Wir haben uns für die originelle Version entschieden und uns ein Segelboot gemietet. Leider liess sich ein Turn nicht organisieren. Aber blaue Flecken gab es trotzdem zu beklagen. Nichts ist auf einen ausgewachsenen Mann hin gebaut. Lächerlich klein ist sogar die Kloschüssel ausgefallen. Nichts für einen vaterländischen Stuhlgang. Nur, um die Massstäbe etwas zu verdeutlichen. Dabei war das Boot ja noch gross. Man müsste mich anketten, um darauf längere Zeit zu verbringen und das dann auch noch schaukelnd. Es war eine Erfahrung.

Key West Sonnenuntergänge

Es gibt viel Leben auf den Strassen von Key West. Viel touristisches, aber wenn man genau hinschaut, sieht man auch viele - wie soll ich ihnen gerecht werden? - Lebenskünstler, Tagediebe, Bonvivants, Gestrandete. Legendär sind auf den ganzen Keys die Sonnenuntergänge. Am Mallory Square werden sie gefeiert. Wir genossen an diesem Abend das Schauspiel am Key West Bight im empfehlenswerten Turtle Krowls, wo es den Tagesfisch und anschliessend den köstlichen Key Lime Pie zu speisen gab.

Sonntag, 13. Juli 2014

Dramas vor Key West

Am Samstagmittag auf Key West angekommen, reichte es für eine kurze Spritztour in die legendäre Altstadt. Es war brütend heiss, so dass ein Schweizer Hirni nur mit Kopfschmerzen reagieren konnte. Es gab nur die Flucht in den Pool unseres Gastgebers, der derweil ein Segelboot für uns rüstete. Da sind wir nun und harren festvertaut den Dingen, die sich vor uns auftürmen. Ein Schaukelergebnis wird es auf alle Fälle absetzen. Im Zweifelsfall flüchten wir in die naheliegende Hurrican Hole Bar und ergeben uns dem Tranke des gescheiterten Seemanns.

Samstag, 12. Juli 2014

Ernest Hemingway, wir und Key West

Key West sei der schönste Platz der Welt, soll Ernest Hemmingway einmal festgestellt haben. Er muss es als viel Gereister wissen. Das letzte Mal als wir den Katzenliebhaber getroffen haben war im letzten Winter in Schruns, Österreich. Dort in einem Restaurant haben sie ihm eine ganze Gaststube gewidmet, weil er zweimal abgestiegen war. Heute nun besuchen wir seine Wirkungsstätte und versuchen die reine Lebensfreude einzuatmen, die am südlichsten Punkt der USA, nur wenige Seemeilen weg vom real existierenden Kommunismus herrschen soll. Wir werden die nächsten Tage zuerst auf einem Segelboot, dann auf eunem Hausboot verbringen. Es kann gut sein, dass wir nun einige Tage verstummen mangels WiFi. Sollte es so sein, melden wir uns hier zurück, sobald wir wieder Funkkontakt haben. Bis dann: Enjoy!

Riff beschnorcheln


Heute bot sich ein fantastisches Wetter für einen Schnorchelausflug hinaus auf des vor den Keys liegende, weltweit zweitgrösste Riff. Die Bedingungen hätten nicht besser sein können. Ideal für Jonas, der so etwas noch nie zuvor hatte tun können. Entsprechend waren meine Sorgen. Den ersten Gang machten wir gemeinsam. Er schien von Beginn weg keine Schwierigkeiten gehabt zu haben, im Gegensatz zu mir. Meine Atemwege sind auf amerikanische Weise malträtiert - habe ich schon erwähnt, dass ich überklimatisierte Räume hasse und übergrosszügig mit Eis gefüllte gläser ziemlich abstossend finde? - weshalb ich zuerst mit Seewasser im Mund, dann im Hals und schliesslich von hinten auch in der Nase hatte. entsprechend musste ich mich gegen Panikattacken durchsetzten.

In der Zwischenzeit paddelte Sohnmann sicher schon zwanzig Meter weiter, kehrte aber dann auch ziemlich schnell zurück. Der Manta kam überraschend nah und Quallen wollte er auch ausgemacht haben. Daran glaubte ich zuerst nicht, weil ich mich vorher beim kapitän erkundigt hatte. Dieser versicherte mir, dass es solche nur im Spätsommer im Übergang zum Herbst gäbe. Meine einschlägige Erfahrung mit dieser Art von Viechern wollte ich heute nicht wiederholen. So gab ich mich beruhigt und vergass wie man Sohn die potentiellen Gefahren und widmete mich der faszinierenden Fischarten um uns herum. Die Korallen selber hielten sich in vornehmer Eintönigkeit zurück. Alles erschien etwas beschlagen hellbraun. Von zauberhafter Farbenvielfalt keine Rede.

Auch am zweiten Ankerplatz gab es keine leuchtenden Farben. Immerhin bekam Jonas eine Schildkröte vor die Taucherbrille. Ich meinerseits machte eine überraschende Begegnung mit einer hirnlosen Qualle, was mich zum Rekordrückzug zurück auf das Boot veranlasste. Der Ausflug in die Unterwasserwelt war für mich damit erledigt. Mein Junge lachte mich nachher aus. Er hätte zahllose dieser Viecher gesehen. Kann ja gut sein, dass diese Art harmlos ist. Ich liess es gut sein und war froh, dass er ohne Verbrennungen davon gekommen ist. So kann unsere Reise ohne Qualen weitergehen.

Freitag, 11. Juli 2014

Ereignisreicher Tag in den Everglades 2






Wie angekündigt galt unser Interesse den Miccosukees, einem Indianerstamm der Seminolen. Symbolisch stark übergab der Gator-Trainer Jonas einen dreijährigen Alligator. Wie bestellt, wurde im Miccosukee Museum ein zehnminütiger Film über die Initiation eines Jungen durch seinen Onkel gezeigt. Diese geschieht in der Regel bei 10 Jährigen. Allerdings müssen die Mädchen schon ab 5 Jahren in die Küche und die Jungs bereits zur Jagd. Die Botschaften kamen an, was natürlich keineswegs heisst, dass es mit den Flegeleien nun vorbei wäre. Muss es auch nicht, wenn sie im Rahmen dessen sind, was Bild Nr. 4 verrät.

Die Farben gelb, rot, schwarz und weiss, haben nichts mit Deutschland zu tun. Es sind einerseits die vier Farben der Himmelsrichtung, aber auch der Lebenskreislauf einer Frucht: gelb für unreif, rot für volle Reife, schwarz für Verrottung und weiss für die Wiederauferstehung. Die Miccosukees sind eine matriarchalische Gesellschaft. Sie sind in Clans aufgeteilt. Jeder Clan bewohnt eine eigene Insel in den Everglades. Geheiratet wird nur ausserhalb des eigenen Clans. Heirat wie Scheidung ist Sache der Eltern. Wird geschieden, verlässt der Mann mittellos den gemeinsamen Haushalt und überlässt sämtliche Errungenschaften der Frau.

Heute leben kaum noch Miccosukees in ihren traditionellen Dörfern. Sie haben sich in die amerikanische Gesellschaft integriert, pflegen aber innerhalb der Community ihre alten Traditionen weiter. So wird die Sprache nach wie vor nicht schriftlich erfasst, denn kein nicht Stammesangehöriger soll sie lernen dürfen. Das wäre dann identisch mit unseren Jenischen, die tunlichst vermeiden, dass die Sesshaften ihre Sprache verstehen können. Die Miccosukee sprechen übrigens immer noch von "den Siedlern" wenn sie die von den Weisshäuten sprechen.

Zum Abschluss des Tages legten wir noch einige Dutzend Meilen quer durch Florida hinter uns, um dann auf dem Highway Nr.1 Richtung Süden zu gelangen. Die nächsten zwei Tage verbringen wir in Tavernier, einige Meilen nach Key Largo, Richtung Key West.

Ereignisreicher Tag in den Everglades 1

Heute ging es mit einem Parkwächter in den Everglades National Park auf Entdeckungsreise. Versprochen waren zahlreiche Tierarten, zu sehen bekamen wir sechs Vögel und eine unprogrammierte Delphinfamilie. Verzichten mussten wir auf die Manatees. Die liessen sich nicht blicken. Und auch keine Adler und schon gar keine Panther, nicht einmal Krokodile. Trotzdem war dieser fast zweistündige Ausflug in eine unberührte Ursumpfgegend schon ziemlich eindrücklich. Und zum Glück haben uns die 27 verschiedenen Moskitoarten, die es da angeblich geben soll, verschont. Es reichte das Dutzend Stiche vom Vortag hinlänglich.



Donnerstag, 10. Juli 2014

Everglades City

Myriaden von Moskitos soll es in dieser Jahreszeit in den Everglades geben. Dass es im Sumpf Mücken hat, aber gleich Myraiden? Und wie es die hat. Etwa im ersten Drittel auf dem Tamiami-Trail durch die Everglades musste ich austreten. Die Strasse ist eng, Raststäten gibt es selten. Doch ich fand eine, stieg aus und trat an den Strassenrand. Meine LeserInnen müssen es mir nicht glauben. Binnen Sekunden waren meine nackten Beine übersäht und um den Kopf schwirrten mehr dieser Viecher als beim Luftangriff über London im zweiten Weltkrieg Flugzeuge. So schnell war ich noch nie in ein Auto gestiegen wie heute Nachmittag....

Mittwoch, 9. Juli 2014

Konsumtag

Gestern gaben wir uns dem Shopping hin. Auf dem Weg nach Sarasota liegt des Ellington Premium Outlet. Da wir Bedarf hatten an Sommerkleider, leisteten wir uns eine mehrstündige Tour in dieses Konsumtempel-Labyrint. Noch nie habe ich vorher so etwas Raffiniertes gesehen. Ich meine dies aus der Sicht des Marketingers. Ist man da erstmal drin, entwickelt sich ein derartiger Sog, dass man schier nicht mehr aus der Anlage findet. Zwar gibt es aan jeder Ecke Pläne und diese sind auch nachvollziehbar, doch in der Realität sind die Läden und Plätze so angeordet, dass man sich zumindest einmal verlaufen muss. Damit steigt die Frequenz und damit das Potential der Umsatzsteigerung. Es spielt natürlich auch mit, dass die Warenangebote der unzähligen Brands in Bezug auf Qualität und Preis das ihrige dazu beitrug. Gut, haben wir uns vor dem Eintritt ein Budget und eine Verhaltensstrategie gegeben haben. Das hätte ganz leicht im Desaster enden können. Ein schönes Lehrstück für Jonas und mich.

Den Tag schlossen wir mit einem Nachtessen bei unserem bevorzugten Restaurant Apple Bees und einem Besuch des daneben liegenden Cineplex - es gab den Blockbuster Transformer 4 mit Mark Wallberg - ab.

Heute liegt eine längere Wegstrecke vor uns. Über Venice und Naples geht es nach Everglades City, wo wir eine Nacht in Gesellschaft von Alligatoren, Krokodilen und Moskitos verbringen. Zwar wurden wir schon hier in Sarasota verstochen. Dort muss es aber nocht geavierender sein. Deshalb haben wir einen Vitamin-B-Komplex eingeworfen und werden uns mit Anti-Brumm einnebeln.